07.07.2016

Mit den Ohren sehen in Marburg

Klangreise mit einem Blinden

Blindenhauptstadt Marburg

In Marburg befindet sich das älteste Blindengymnasium Deutschlands. Auslöser für die Gründung der Blindenstudienanstalt (Blista) waren die vielen jungen Soldaten, die blind aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrten. Um ihnen eine höhere Bildung zu ermöglichen, wurde 1916 der Verein blinder Akademiker und die Deutsche Blindenstudienanstalt gegründet. Seitdem hat sich Marburg zur deutschen Blindenhauptstadt entwickelt.


Amelie und Johanna testen das „sprechenden Modell“ des Marburger Bahnhofs.

In keiner anderen deutschen Stadt gibt es im Verhältnis zur Bevölkerung so viele blinde und sehbehinderte Menschen wie in Marburg. Nirgendwo sonst studieren so viele Sehgeschädigte wie an der Philipps-Universität. Marburg war die bundesweit erste Stadt, in der akustische Ampeln eingeführt wurden. Der barrierefreie Bahnhof, das größte Kaufhaus, das Sportstadion und das Sozialamt haben tastbare Grundrisspläne. Selbst in den Schwimmbädern sind Blindenleitsysteme selbstverständlich. Es gibt Blinden-Stadtpläne, Einkaufshilfen, sprechende Geldautomaten, Theater mit Audiodeskription und viele Restaurants mit Speisekarten in Punktschrift. Maßstabsgetreue Kupfermodelle zum Anfassen stehen auf dem Marktplatz, am Landgrafenschloss, vor der Elisabethkirche und am Platz der ehemaligen Synagoge.

Unsere Klangreise mit einem Blinden

Für uns Schülerinnen und Schüler des Martin-Luther-Gymnasiums in Marburg ist die Begegnung mit blinden Menschen im Alltag normal, da sie in der Stadt ständig Blinden begegnen. Bei der Themensuche waren wir uns daher schnell einig, uns mit der Bedeutung von Klängen für blinde Menschen zu beschäftigen.


Tim und Julian begleiten Werner Wörder, ihren blinden Interview-Partner, auf einer Klangreise durch Marburg.

Wir haben Herrn Werner Wörder in die Klasse eingeladen, der als Kind erblindet ist. Wir haben ein langes Interview mit ihm geführt. Dabei haben wir erfahren, wie es für ihn war blind zu werden und wie es ist, blind im Alltag zu leben.


Ein Team der Klang.Forscher! macht sich auf den Weg zu Außenaufnahmen.

Besonders viel haben sie über die Bedeutung des Hörens für Blinde gelernt: Was erfährt man über einen Menschen, wenn man seine Stimme hört? Klingen Räume unterschiedlich? Kann man Plätze und Orte in der Stadt am Klang unterscheiden? Gibt es schöne und hässliche Klänge? Wie klingen Alltagsgegenstände? Wie klingen die technischen Hilfen für Blinde, z.B. der sprechende Computer, das sprechende Navigationsgerät oder die sprechende Farb- oder Bilderkennung?


Wie klingt ein Windspiel? Jan und Paul testen im improvisierten „Studio“.

Nach dem Interview sind wir auf Klangforschungsreise gegangen und haben die Klänge aufgenommen: Klänge von Räumen, Gegenständen, Plätzen in Marburg, sprechende Computer, Stimmen und Stimmungen, schöne und hässliche Klänge und Geräusche.

In unserem Klangforscherbeitrag werden wir Teile aus dem Interview mit Herrn Wörder und unsere Klangaufnahmen zusammenführen.

Blindenhauptstadt Marburg
Tonschnitt am Computer: René und Tim bei der konzentrierten Arbeit

Herr Wörder über den Klang von Plätzen in Marburg:

 

Klangcollage des Friedrichplatzes in Marburg:

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